Altphilologen sollten mit Naturwissenschaftlern im Gespräch sein
Unser diesjähriger „Römer-Tag“ am Dienstag, den 3.2.2026 im Gymnasium Lohr war eine Kombination aus einem Schnuppertag für die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangstufe 5, die demnächst ihre zweite Fremdsprache wählen müssen, und einem archäologischen Vortrag für die Latein-Schülerinnen und Schüler der Jahrgangstufe 8.
Für die Fünftklässler gab es parallel vier tolle Angebote: Römisch Kochen in der Schulküche, wo in vergnügtem Teamwork Globi (Quarkbällchen) mit Gustum de Praecoquis (Aprikosenmus mit Stückchen) und Moretum (Schafskäseaufstrich) entstanden und auch mit Appetit verzehrt wurden. Eine Mosaikwerkstatt im Zeichensaal, wo sie in geduldiger Kleinarbeit schöne Motive zusammensetzten.
Entdeckungen mit lateinischen Lehnwörtern und römischen Zahlen. Beides fand in Abwechslung mit beliebten römischen Kinderspielen statt: Zahlreiche Nüsse rollten da beim Delta-Spiel (Zahlendreieck auf dem Fußboden) und dem Ludus tabulae obliquae (Spiel für eine diagonale Tafel) durchs Klassenzimmer.
Inzwischen entführte der Archäologe Mario Becker von der Goethe-Universität Frankfurt unsere Achtklässler in die Antike: In lebendigem und kommunikativem Vortragsstil stellte er die Gründe für Aufstieg und Niedergang des römischen Reiches dar und begeisterte unsere Achtklässler für die Leistungen der Römer. Für den überraschenden Niedergang des weströmischen Reiches seien jahrzehntelange Schlechtwetterperioden infolge von schwersten Vulkanausbrüchen mit verantwortlich gewesen; das habe man nur durch die Analyse von geologischen Proben erkennen können: Zwischen 160 und 170 n.Chr. seien der Taupo und um 232 der Vulkan Hatepe auf Neuseeland ausgebrochen und hätten die Erd-Atmospäre für Jahrzehnte verändert. In deren Folge hätten zahlreiche Germanenstämme – bedrängt von Goten und Hunnen- ihre angestammten Siedlungsgebiete verlassen, weil ihnen die Lebensgrundlage genommen worden seien. Wir würden das heute als Migration aus wirtschaftlichen Gründen bezeichnen. Damals waren allerding alle Männer bewaffnet und deswegen eine Bedrohung für jedes Reich. Diese hätten dann gleichzeitig von vielen Seiten die Ostgrenze bedroht, während der Zusammenschluss der Alemannen dann etwas später von Norden her noch gefährlicher für das römische Reich geworden sei.
Zum Abschluss ihres Schnuppertages führte Mario Becker nun unsere Fünftklässler ins römische Leben ein. Er begann dies mit der berühmten römischen Wölfin: lupa war damals eine Beleidigung für eine Frau, hist. Kern der Gründungslegende war wahrscheinlich die Aussetzung und ein späterer Aufstieg zweier Kinder.
Dann macht er mit ein paar Kindern vor der Bühne eine Armeeaufstellung mit Drill in testudo (Schildkröten)- Formation: „links-rechts-links, Schilde über den Kopf und eng an den Körper“, um die Notwendigkeit zur Zusammenarbeit in der röm. Armee zu illustrieren.
Natürlich durfte zum Abschluss Pompeji nicht fehlen, wo man dem antiken Alltag immer noch hautnah begegnen kann, da er damals beim Vulkanausbruch in zahlreichen Situationen konserviert wurde.
Christina Roth

